Illu

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GELIEBTES LEBEN

Wenn nur einer sich erinnert ...

Jahre gehen, Perspektiven ändern sich. Was gestern richtig war, muss heute nicht mehr stimmen. Die Dinge bleiben im Fluss. Manchmal halten wir inne und fragen nach dem Sinn. Wofür bin ich eigentlich auf dieser Welt?

Falkenbergs neues Album ist ein ergreifendes Plädoyer für dieses einzige, »geliebte Leben«. Es strahlt auf sensible Art Weisheit aus, Kraft genauso wie Verletzlichkeit. Falkenberg lotet tief. Seine Lieder lassen uns spüren, dass im Glück auch immer schon der Schmerz nistet und dass aus Leid Hoffnung keimt. Er ist weitergegangen, als Künstler gereift. Fast alle Instrumente spielt er selbst – gekonnt, ökonomisch und doch beseelt. Da ist keine Note zu viel. Wenn er sich ans Klavier setzt, glaubt man, ihm am nächsten zu sein. Er meistert den Grat, klingt empfindsam, aber niemals sentimental.

Man kann die Platte als einen Songzyklus oder gar als Konzeptalbum hören. Sie beginnt mit einer zarten Pianoballade, gleichsam die Geburt. Auch das letzte Stück ist ein Instrumental. Wieder setzt das Klavier ein, bald unterstützt von einer Jazzcombo, um schließlich im satten Rocksound zu jubilieren. Es ist ein Blick zurück, fern jeder Wehmut, voller Optimismus. Falkenberg weiß: »Der Tod ist nur ein Moment.« Zwischen »Anfang« und »Ende« breitet er die Erfahrung eines reichen, »geliebten Lebens« aus. Ihm ist ein warmes Album gelungen, zuversichtlich, energiegeladen, ohne Larmoyanz und Häme. Selbst der »Menschensammler«, der Lügner und Blender, wird nicht ans Kreuz genagelt, sondern landet im Kuriositätenkabinett, wo ihm das leiernde Keyboard eine Nase dreht. Die Songs sind kompakt und besitzen dennoch Breitwandformat, sie bleiben von der großen Geste durchdrungen. Es geht um Liebe und Abschied, die Lust am Leben und die Schwere des Augenblicks, Vertrauen, Zweifel, Umkehr, verblassten Ruhm und falsche Götter. Falkenbergs Texte sind assoziativ, sie fordern zum Blick in den Spiegel auf. Anders ist eine bessere Welt nicht zu haben.

Seine Stimme und Attitüde als Sänger verleihen den Gedanken die angemessene Dringlichkeit. Er klingt außerordentlich prägnant, mal metallisch schneidend, dann wieder verwundbar und sanft. Wie sehr sich sein Reflexionswinkel geweitet hat, zeigt »Fühlst du dein Herz«. 1988 ein nationaler Pophit, beginnt der Song ein Vierteljahrhundert später mit einer Rückkopplung. Aus der Verzerrung schält sich eine epische Gitarre, muskulös, klar und souverän. Falkenberg interpretiert das alte Lied mit neuem Wissen. Es fehlen die triumphierenden Höhen der Jugend, vor uns liegt ein weites Land.

Seinen Gipfel erreicht das Album mit »Staub«. Falkenberg verbindet die biblische Metapher des Vergänglichen mit dem Meeresmotiv der Ewigkeit. In diesem Lied fließt alles zusammen: Gewissheit und Sehnsucht, Ankunft und Tod. Es ist eine machtvolle Hymne auf das »geliebte Leben«. Der Song entfaltet eine suggestive Dynamik, lässt die Gefühle strömen, reißt mit. Er bündelt die Stimmung und Haltung einer großartigen Platte, der es wahrlich nicht an Höhepunkten mangelt. Möge sie viele Hörer finden.

Michael Rauhut

 

Produzent: FALKENBERG
Besetzung: Friede Hentze (dr),
FALKENBERG (alle anderen Instrumente)
Aufgenommen: Mai 2013 - Februar 2015
im THE WHITEROOM und Neis-Tonstudio
von FALKENBERG
Gemischt: im Neis-Tonstudio von FALKENBERG
Veröffentlicht: 28. Februar 2015
Label: mollwerk

PRESSE:
Mitteldeutsche Zeitung
Deutsche Mugge